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28.08.2018

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Weniger Kinder, aber mehr Alleinerziehende!

Soziale Situation der Alleinerziehenden zunehmend prekär!

Sascha A. Roßmüller

Das Statistische Bundesamt hat sich in einer Publikation „Alleinerziehende in Deutschland 2017“ mit den aktuelle Zahlen zu Alleinerziehenden und zur Entwicklung verschiedener Familienformen in den vergangenen zwei Jahrzehnten auseinandergesetzt. Die Problematik der sozial häufig prekären Lage von Alleinerziehenden ist auch vor dem Hintergrund von besonderer Relevanz, dass es sich bei diesen um eine beständig wachsende Bevölkerungsgruppe handelt. Im Jahr 2017 lebten in Deutschland insgesamt 11,6 Millionen Familien mit ledigen Kindern, davon 2,6 Millionen Familien alleinerziehender Eltern. Im 20-Jahres-Vergleich ist die Gesamtzahl der Familien mit minderjährigen Kindern deutlich zurückgegangen, die Zahl der Alleinerziehenden nahm im Vergleichszeitraum hingegen von 1,3 Millionen auf 1,5 Millionen zu. 2017 hatte mit 19 Prozent knapp jede fünfte Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind einen alleinerziehenden Elternteil. Zu dieser nicht unerheblichen gesellschaftlich-familiären Veränderung kamen etwa 10 000 Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternpaaren hinzu. Alleinerziehende leben im Vergleich zu Paaren mit Kindern überproportional häufig in Großstädten.

Der Väteranteil an den Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahre im Haushalt liegt seit 1997 relativ stabil zwischen zehn und 13 Prozent, sprich in fast neun von zehn dieser Familien ist der alleinerziehende Elternteil auch im langfristigen

Zeitverlauf eine Mutter. Daran hat auch die Reform des Sorgerechts Anfang

2013 nichts geändert, die insbesondere ledigen Vätern die Beantragung des Sorgerechts erleichtern sollte. Auch aus demographischen Gesichtspunkten ist die Entwicklung zunehmender Alleinerziehender von Relevanz, da diese weniger Kinder vorweisen. Mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden leben nur mit einem minderjährigen Kind im gemeinsamen Haushalt, wohingegen Elternpaare mehrheitlich mit zwei oder mehr minderjährigen Kindern im gemeinsamen Haushalt leben. Erstaunlich ist, dass die Politik zwar bestrebt ist, Frauen der Wirtschaft als Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, jedoch wenig Elan für konservative Familienverhältnisse aufbringt, denn Mütter in Partnerschaften gehen tendenziell häufiger einer Erwerbstätigkeit nach. Vor allem aber wird die Politik der Erkenntnis Beachtung schenken müssen, dass die Elternzeit nur einem Teil der alleinerziehenden Mütter hilft, ein Beschäftigungsverhältnis aufrecht zu erhalten. Die Mehrheit der alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter drei Jahre befindet sich der statistischen Datenlage zufolge in keinem Beschäftigungsverhältnis.

2017 war mit gut 55 Prozent mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter an der Aufnahme einer Arbeit zumindest interessiert und knapp 30 Prozent der nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter wünschten sich Arbeit, sahen sich jedoch nicht in der Lage, eine Beschäftigung aufzunehmen. Dies wirkt geht natürlich nicht spurlos an der Einkommenssituation vorbei. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das errechnete verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten von Alleinerziehenden mit durchschnittlich 967 Euro im Monat um knapp ein Fünftel niedriger war als das Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten von zwei Erwachsenen mit Kind/-ern. Mit 32,6 Prozent der Personen in Haushalten von Alleinerziehenden waren im Jahr 2016 fast ein Drittel armutsgefährdet, womit die Quote weit über dem Durchschnittswert für die Bevölkerung in Deutschland von 16,5 Prozent lag. Dies bringt natürlich die Lebensqualität betreffende Einschränkungen mit sich. Konnten es sich 2016 nicht unerhebliche 18,6 Prozent der Bevölkerung in Deutschland finanziell nicht leisten, jährlich mindestens eine Woche in die Ferien zu fahren, waren die Alleinerziehenden und deren Kinder mit satten 39,1 Prozent auch hier überdurchschnittlich stark betroffen. Die Autoren des Statistischen Bundesamtes weisen auch darauf hin, daß es in Deutschland keine allgemeine Selbstverständlichkeit sei, jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich zu nehmen. 14,2 Prozent der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten waren 2017 dazu finanziell nicht in der Lage. Nicht zuletzt ist Überschuldung für diese Gruppe ein gravierendes Problem. Ihr Anteil an den beratenen Schuldnern war viermal so hoch als ihr Anteil an der erwachsenen Bevölkerung. Mehr als jede sechste Person, die wegen finanzieller Schwierigkeiten zu einer Schuldnerberatung ging, war alleinerziehend, stellten die Statistiker fest. Alleinerziehende führen Trennung, Scheidung oder Tod des Partners als häufigsten Hauptauslöser ihrer Überschuldungssituation an.

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