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12.07.2017

Lesezeit: etwa 4 Minuten

IS ante portas!

Sascha A. Roßmüller 

Auch wenn der IS im Mittleren Osten territorial zurückgedrängt wurde, ist eine für Europa äußerst gewichtige Frage im Zusammenhang mit der radikalislamischen Terrormiliz seit langem unbeantwortet. Nämlich die Frage nach der Gefahr, ob die Westbalkanstaaten sukzessive an den IS verloren gehen. Seit Beginn der Kämpfe im Mittleren Osten zeichnete sich die Westbalkanregion als schwerpunktmäßiges Rekrutierungsfeld Europas für militante Islamistengruppen aus. Knapp ein Viertel der aus Europa stammenden ausländischen Kämpfer des Islamischen Staates stammen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo und Mazedonien. Und gerade im Zuge dessen der IS im Irak und in Syrien zunehmend unter Druck gerät, könnten zurückkehrende IS-Kämpfer zur Lunte am Pulverfaß Westbalkan werden. Bosnien und der Kosovo weisen die höchste Pro-Kopf-Dichte an Salafisten und sogenannten islamistischen Kämpfern - oder zutreffender Terroristen - in Europa auf. Die Anfänge der salafistischen Ausbreitung im Balkan liegen im Wesentlichen im Krieg der 1990er Jahre begründet, währenddessen tausende Dschihadisten aus dem arabischen Raum, wie beispielsweise die Mujahideen-Brigade, auf der Seite der bosnischen Muslime kämpften. Nach Kriegsende 1996 erhielten im Gegenzug viele von diesen bosnische Pässe. Im Kosovo faßten die Salafisten insbesondere nach der Nato-Bombardierung Restjugoslawiens im Jahr 1999 Fuß. Nicht zuletzt aufgrund großzügiger saudi-arabischer Finanzunterstützung mutierte das zuvor noch säkulare Kosovo binnen nur einiger weniger Jahre zu einer Hochburg des Salafismus in Europa. Laut nahezu übereinstimmender Expertenmeinung lagen der Grundsteinlegung für die Balkan-Brigaden des IS in Bosnien ebenso Gelder aus Saudi-Arabien zugrunde. Während des Krieges soll das saudische Königreich Millionenbeträge zur Ausbreitung der dem Wahhabismus ähnlichen salafistischen Lehre auf dem Balkan überwiesen haben.

Bereits vor etwas mehr als zwei Jahren berichtete die britische Zeitung „Mirror“ über das nur um die 100 km von Sarajevo entfernte Dörfchen Osve, das Dschihadisten des IS als Stützpunkt auserkoren haben sollen, um in der dortigen Abgeschiedenheit islamische Terroristen für ihren späteren Einsatz in Syrien auf den "Heiligen Krieg" vorzubereiten. Der IS-Terrormiliz wird nach wie vor von radikalen bosnischen Salafisten relativ unverhohlen Sympathie entgegengebracht. Auch das unauffällige Bergdorf Gornja Maoca im Norden von Bosnien-Herzegowina erlangte als angebliches Anwerbezentrum für IS-Kämpfer auf dem Balkan zweifelhafte Bekanntheit. Laut Journalisten des „Tagesspiegel“, die unlängst besagtes bosnische Bergdorf aufsuchten, wurden unmittelbar vor deren Ankunft die schwarzen IS-Fahnen von den Häusern entfernt. Eine Entfernung der IS-Propaganda an den Hauswänden wurde von den Dorfbewohnern nicht für nötig empfunden. Dr. Vedran Dzihic forscht für das Österreichische Institut für Politik zum Balkan mit dem Schwerpunkt zum dortigen radikalen Islam. Dzihic weist auf eine sehr starke salafistische Verbreitung auch in Südserbien, wie beispielsweise der Region Sandzak hin. Zwischen den dortigen dschihadistischen Zellen und denen in der Region Bosnien gebe es eine rege Verbindungen, so Vedan. Daneben seien vor allem aus Albanien, Mazedonien und dem Kosovo viele Radikalislamisten in Richtung IS ausgewandert.

Nicht zu vergessen, daß immerhin 50 Prozent der Bosnier Muslime sind. Darunter existiert eine radikale Szene mit eigenen Medien und parallelen Gebetsräume, sogenannten Para-Dzemats, nicht selten finanziert aus Saudi-Arabien. Dieses salafistische Klima in weiten Balkanregionen wird zur ernsten Bedrohung für Europa, wenn die Politik dies nicht entsprechend in den Blick nimmt und adäquat handelt, nachdem ebendiese Gebiete für IS-Rückkehrer nach deren Zurückdrängen im Mittleren Osten ideale Rückzugspunkte für eine potentielle Regruppierung auf dem europäischen Kontinent darstellen. Eine Gruppe von Forschern aus Sarajevo hat Mitte vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, die bestätigt, daß zwischen 2012 und 2015 Bosnische Muslime in das IS-Gebiet in Syrien auswanderten und nun zum Teil auch wieder zurückkehrten. Die Balkanroute ist mit Blick auf den islamistischen Terrorismus nach wie vor durchlässig. Nicht nur, daß bei der Rekrutierung von Kämpfern in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Balkangruppen wesentlich beteiligt waren, auch war bei den Terror-Anschlägen in Westeuropa nicht zuletzt von Waffenlieferungen über die Balkanroute die Rede gewesen. Und vergegenwärtigen wir uns: Von Bosnien nach München sind es ca. nur 100 bis 150 km mehr als von München nach Hamburg.

Das Problem ist, daß sich hier ein identitätsvergessenes kultursuizidales europäisches Establishment und tatkräftiges arabisches Hegemonialstreben begegnen. In der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hieß es unmißverständlich: „Saudi-arabische Missionierungsorganisationen sind auch im Kosovo aktiv und verbreiten hier die von Saudi-Arabien vertretene wahhabitische Interpretation des Islam, etwa durch die Entsendung von Predigern.“ Allein seitens der in Saudi-Arabien ansässigen Muslimischen Weltliga sollen jährlich mehr als 100 Millionen Euro nach Europa fließen. "Da haben arabische Staaten den offenen bosnischen Islam verdrängt. Und deshalb kann man sich vorstellen, wohin auch in Deutschland die Reise geht", ließ sich Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer zum Sachverhalt zitieren. - Diese fatalistische Kapitulationserklärung wird sich wohl bewahrheiten, wenn sich das Volk nicht rechtzeitig des etablierten Altparteienkartells entledigt!

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