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04.06.2013

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Zur Islamdebatte: Abendland und Morgenland – Tradition, Leitkultur und Entwicklung

Gedanken eines Nationaldemokraten zu Europa und Islam im Jahre 2013

Sascha A. Roßmüller; Juni 2013

Im Zuge der multikulturellen Völkerwanderungspolitik der postkolonialen Nachkriegszeit entwickeln sich bis dato zunehmend kulturelle und religiöse Konfliktszenarien mit zum Teil bereits Ausmaße eines Kulturkampfes annehmenden Parallelgesellschaften innerhalb der von der EU langsam an den Rande des Erstickungstodes regulierten Noch-Nationen. Das an Quantität und Schnelligkeit identitätserschütternde Aufeinanderprallen unterschiedlicher Mentalitäten und Traditionen wurde zudem von einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlich-institutionellen Rahmenbedingungen begleitet, wodurch jegliche Stabilität eine fühlbare Beeinträchtigung erfuhr. Mit dem Auftreten wirtschaftlicher Krisen des kapitalistischen Systems entsteht eine gesellschaftliche Situation, in der die Gegenwarts- oder Zeitgeistleitmotive des Individualismus und Liberalismus auf viele Fragen keine befriedigenden Antworten mehr liefern und infolgedessen religiöse Angebote wieder stärker ins Blickfeld der Lebensbewältigung treten. So weit, so gut, solange sich nicht im Zuge eben dieser Lageanalyse ganz andere als originär sich dem Seelenheil verpflichtet fühlende Antriebsmomente in den Vordergrund drängen, die dann in Wechselwirkung mit parallel verlaufenden Tagesentwicklungen ggf. nicht gerade harmoniestiftend sind. Gegenwärtig fordert ein in immer stärkerem Maße als radikal und fanatisch wahrzunehmender Islamismus dazu auf, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, inwiefern in Deutschland und Europa jeder nach seiner Facon selig werden möge – um die Worte des großen Fritz zu bemühen – und welche Beziehung zwischen Religion und Identität mit Blick auf die weitere Entwicklung des Abendlandes besteht.

Die tagespolitische Wirklichkeit, die sich in den Einflusssphären der beiden großen monotheistischen Religionen, des Christentums und des Islams, zeigt, zwingt einem eine Befassung mit dem Thema geradezu auf, will man für sich beanspruchen, für eine mündige Beurteilung der Lage ausreichend informiert zu sein. Allerdings ist eine Durchdringung des Themas mit dem Ziel, zu einer vertretbaren Positionsbestimmung zu gelangen, aufgrund der damit verbundenen Facettenvielfalt alles andere als einfach. Es gilt, nicht weniger als die religiöse Frage, im speziellen Zusammenhang mit der Ausübungspraxis und unter Einschluß von kulturpolitischen Gesichtspunkten, auch die ethnisch-bevölkerungspolitische Dimension wie auch die außenpolitische Perspektive zu berücksichtigen. Die intellektuelle Redlichkeit gebietet es, sich einen aus der Momentaufnahme aufwallenden Reflex ohne Objektivität ebenso zu verbieten wie einen vorauseilenden Gehorsam im Sinne der Einbahnstraßentoleranz der political correctness. Abergläubisch anmutender rückständiger Fanatismus, der sich durch dominantes Missionierungsverhalten oder gar gewaltsame Bekehrungsversuche und/oder Sühneaktionen bemerkbar macht, dürfte – insbesondere von der autochthonen nichtislamischen Bevölkerung Europas – ohnehin nahezu ausnahmslos auf Ablehnung stoßen: und zwar biedermeierlicher Art auf heimischem Terrain, und deutlicher, sprich mit dem Mut der Artikulation, bezüglich traditionell islamischer Herkunftsregionen, da im Gegensatz zu ersterem die political correctness im letztgenannten Fall nicht der Destabilisierung Europas, sondern der globalen Interessenlage der Hegemonialmacht der Vereinigten Staaten Nordamerikas dienlich ist.

Monotheistischen Religionen wohnt potentiell ein gewisser Bekehrungseifer inne, weshalb hier durchaus ein Vergleich zwischen Christentum und Islam erlaubt sein muß. Im Allgemeinen scheint der Missionierungseifer mit zunehmendem Grade an aufklärerischem Geist an Fanatismus abzunehmen, womit die Frage zu stellen ist, ob bzw. inwiefern der Islam als Religion in der Lage sein kann, mit europäischen Denktraditionen kompatibel zu sein, ohne in Manier eines agressiv-kämpferischen Offenbarungsdogmatismus europäisches Selbstverständnis zu bedrohen. Die Rückkehr der Religion/en als ein wesentlicher Bestandteil des Lebensalltags sollte in einer als fortschrittlich bezeichneten Gesellschaft eigentlich als eine Intellektualisierung der Religion angenommen werden dürfen, doch beschleicht mich der Eindruck, insbesondere in meiner Wahrnehmung des Islam, daß vielmehr ein mit einer Wissensverweigerung einhergehender Glaubensvormarsch erfolgt. Wobei ich bemerken möchte, sowohl einem dogmatischen Allahu akbargenauso kritisch wie einem entsprechenden, aber längst entpolitisierten Deus vult gegenüberzustehen.

Geschichtlich betrachtet war der Islam sogar eine der Kulturquellen, aus denen sich Renaissance und Aufklärung speisten, heute jedoch droht eine m. E. vielfach politisch motivierte Radikalisierung des Islams diese Errungenschaften für Europa wie auch für den Islam selbst existenziell zu gefährden. Die Frage nach der Möglichkeit eines symbiotischen Verhältnisses anstelle eines dominierenden Missionierungseifers auf der einen und devoter Toleranzorgien auf der anderen Seite mag ein Blick auf historische Entwicklungslinien erhellen. Es gab mitunter im Islam nichtdogmatische, philosophische Gelehrte, welche die mohammedanische Religion im Rahmen hellenischer Philosophie auszulegen trachteten, etwa die Neuplatoniker Alkindi und Alfarabi oder den berühmten Avicenna alias Ibn Sina, der neuplatonisches Gedankengut und aristotelische Lehren miteinander zu verbinden bestrebt war. Oder Averroes alias Ibn Roschd, dessen Lehre im 12. Jahrhundert im Widerspruch zum Schöpfungsmythos der drei abrahamitischen Offenbarungsreligionen stand. Wahrheit aus der Logik als Gesetzmäßigkeit des Denkens zu erkennen und die höhere Sittlichkeit darin zu sehen, das Gute um seiner selbst Willen zu tun, läßt den aufgeklärten Europäer dabei unwillkürlich an die autonome sittliche Persönlichkeit Immanuel Kants denken.

Doch dem Koran-Vers „Denkt nach, die ihr Einsicht habt!“zum Trotz konnten sich im Islam solch glänzende Zentren geistiger Kultur, wie beispielsweise unter Kalif Harun al Raschid (786 – 809) und/oder die rationalistische Schule des Islam der Mu´taziliten im 8. und 9. Jahrhundert nicht dauerhaft gegen die Kräfte der Orthodoxie durchsetzen, die bis zum heutigen Tage außerstande oder nicht willens sind, ihre Offenbarungsschriften durch allegorische Auslegung mit einer Vernunfterkenntnis in Einklang zu bringen.

Ohne den gegenwärtigen westlichen Werterelativismus mit seinen zuweilen dekadent-selbstzerstörerischen Erscheinungsformen als kulturell überlegen darstellen zu wollen, führte die europäisch-abendländische Entwicklungsgeschichte bis in die 1960er Jahre noch zu deutlichen kulturellen Unterschieden gegenüber der islamischen Welt. Diese Unterschiede an sich stellen im Rahmen gewachsener gesellschaftlicher und geopolitischer Verhältnis noch lange kein Problem dar, allerdings beförderte die Politik der jahrzehntelangen Massenimmigration von in erster Linie subkulturellen Vertretern der islamischen Welt die entzweienden Konflikte der Kulturen und Religionen. Und da es sich nicht nur um zahlenmäßig unbedeutende Immigration, sondern eben um Massenimmigration handelte, waren und sind sämtliche Integrationsversuche, sofern überhaupt versucht, nahezu ausnahmslos zum Scheitern verurteilt, zumal eine Integration in eine bundesrepublikanische Identitätslosigkeit bar jeglicher Leitkultur ohnehin einer gesellschaftspolitischen Quadratur des Kreises gleichkommt. Diesem geschichts- und traditionsverlorenen Relativismus und der ritualisierten Devotionsgestik und -rhetorik gegenüber wollen sich die Einwanderer instinktsicher verschließen, und wer könnte ihnen das verdenken!? Nichtsdestotrotz ist eine diesbezügliche innenpolitische Abwehr keinesfalls mit einer außenpolitischen Ablehnung gleichzusetzen. Die US-hegemoniale globalpolitische Großwetterlage mahnt zu der Erkenntnis, sich nicht allein falscher Freunde zu verwehren; mindestens ebenso wichtig ist es, sich auch keine falschen Feinde suggerieren zu lassen.

Für mich ist es daher wichtig, unsere Nation vor der Zerreißprobe kultureller Parallelgesellschaften zu warnen und das Primat des selbstbestimmten Willensentscheids des autochthonen Heimatvolkes einzufordern. Die religiöse Gewissensfreiheit bleibt dabei unberührt, lediglich Art und Weise der Stätten und der Ausübung haben unter dem Lichte möglicherweise dahinter stehender politisch-kultureller Hegemonialbestrebungen betrachtet zu werden, die einer harmonischen Entwicklung europäisch-abendländischer Kulturtraditionen entgegenstehen. Dies betrifft Moscheen und Minarette in Konkurrenz zu unseren Münstern und Domen ebenso wie Mehrfachehen, Zwangsverheiratungen, Scharia etc. Eine zivilisierte Kulturnation darf m. E. durchaus beanspruchen, daß die Ausübung und das allgemeine Auftreten von religiösen Ausrichtungen den Normen aufgeklärter Gesellschaften entsprechen. Im dargestellten Sinn ist insofern – bei allem gebotenem Respekt - sowohl ein fundamental-radikal auftretender als auch ein als Umvolkungsstrategie getarnter Islam auf deutschem Boden für mich nicht wünschenswert – hingegen ein Bemühen um gute diplomatische Beziehungen zu modernen islamischen Ländern sehr wohl!

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