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25.05.2013

Lesezeit: etwa 11 Minuten

Florenz, 18. bis 22. Mai 2013 – ein toskanischer Traum!

Vater & Sohn vor Dante-DenkmalEin alter Weintrinker (meine Wenigkeit) vor einer jugendlichen Bacchus-StatueVater & Sohn vor einer Büste im Boboli-Garten
Vater und Sohn mit uraltem Ahornbaum in Allee Statue Allegorie der Fülle im Boboli-GartenStalaktiten-Grotte der Medici im Boboli-Garten
Stalaktiten-Grotte der Medici im Boboli-Garten


Warm, aber nicht heiß, befruchtende, jedoch kaum spürbare seltene Regenschauer und gelegentliche Brisen, als kämen sie bewußt aus Zephirs Munde, wie in Botticellis Primavera. Ein Klima, das den ludi floraleszu Ehren der namensspendenden Göttin Florentia gerecht geworden wäre – Florenz zeigte unmißverständlich an, zu halten, was es verspricht.

In den Vormittagsstunden, nach einer Fahrt inklusive zweistündiger Pause, erreichten wir Florenz und wurden zugleich mit der Kulisse einem regen, zuweilen bereits an Hektik grenzendem, Treiben gewahr, welchem Hauptstadtniveau zugeschrieben werden dürfte. Dies waren allerdings wohl weniger Nachwehen seiner Hauptstadtrolle zwischen 1865 und 1870, als vielmehr Auswüchse italienischer Verhaltensoriginalität im Straßenverkehr, die den durch die deutsche Straßenverkehrsordnung domestizierten Verkehrsteilnehmer ein Wechselbad der Gefühle innerhalb der Bandbreite angstinduziertem Selbsterhaltungstriebs und nemesisgetriebenem Furor Teutonicus beschert. Nach einer derartigen Odyssee versöhnte die zentrale Lage des Hotels, die es erlaubt, sich einer weiteren Nutzung des Automobils zu enthalten, und dessen Komfort, der bereits einem Thomas Stearns Eliot ausreichend genehm war.

Die erste Annäherung mit der Renaissancestadt erfolgte in Form einer ausgiebigen Stadtbegehung, die der Orientierung hinsichtlich der kulturellen „Gräfenberg-Zonen“ Florentias für die weiteren Exkursionen diente. Bauwerke, Plätze, Säulen, Skulpturen ließen nicht weniger, wie Geschäfte, Kaffees, Restaurants und Gassen eine kaum zu bändigende Vorfreude auf die folgende nähere Bekanntschaft mit dieser Kulturmetropole am Arno aufkommen. Diese ersten Stunden der Ansichtnahme verliefen trotz des großen Areals und der Anreisestrapazen in einer nicht erwarteten Kurzweiligkeit, die uns selbst die kürzeste Einkehr auf einen schnellen Espresso bis in den Abend hinein vergessen ließ. Umso größer war dafür die Freude auf die italienische Küche und den toskanischen Chianti am Abend.

Ein „Muß“ in Florenz – die Uffizien – führen die Tagesordnung am Tag Zwei unseres Aufenthalts an. Allein diese ehemaligen Verwaltungsgebäude der Medici, die heute eine der berühmtesten Galerien der Welt beherbergen, ließen es zu, sich über Tage hinweg der Erweiterung seines Bildungshorizontes zu widmen. Auch wenn man kein Kunstsachverständiger ist, besitzt man seinen persönlichen Geschmack und behält trotz der einen nahezu erschlagenden Vielfalt bestimmte Artefakte nachhaltiger als andere in Erinnerung. In unserem Falle blickten wir mit Stolz auf dargebotene Werke unserer Landsleute Albrecht Dürers und Lucas Cranachs und ließen uns von den Gemälden Leonardo da Vincis, Botticellis und Michelangelos verzaubern. Während meine Frau insbesondere von der Nachbildung der die legendären Stadtgründer Roms säugenden Wölfin um ca. 500 n. Chr. oder den Deckengemälden beeindruckt war, fesselte meinen Sohn beispielsweise das Gemälde Judith und Holofernesder berühmten Artemisia Gentileschi. Die beiden berühmten Botticelli-Werke Geburt der Venus und Primavera enttäuschten unsere Erwartungen nicht im Geringsten, und veranlaßten uns, diese in Abbildungen für die Privatwohnung zu erwerben. Mir persönlich bereitete eine Skulptur der Selene besondere Freude sowie mir die Figur der Maria Magdalena in einem Gemälde des Luca Signorelli, insbesondere deren Gesichtszüge einen tiefen Eindruck hinterließen.

Von den Gemälden der Uffizien zu den Urlaubsfotomotiven führt topographisch kein weiter Weg, zumindest dann nicht, wenn man an den Neptunsbrunnen beim Palazzo Vecchio denkt oder die Skulpturenreihe in der Loggia dei Lanzi. Dieser spätgotische Bau beherbergt das „Rinascimento“ der Antike in Form des klassischen Ideals der in Stein gebändigten Kraft. Hier begegnet man neben anderen einem Perseus ebenso wie Herkules oder dem Raub der Sabinerinnen. Eine nachmeditierende Rast bei einem Kaffee mit Blick über den Piazza della Signoria ließ ein gewisses Dolce-Vita-Gefühl aufkommen, wenngleich man im Cafe Rivoire den Namen mit eingepreist bekommt. Wer seine Frau schnell genug durch die architektonisch attraktive Verkaufsmeile in der Via de Calcaiuoli bekommt, steht in Kürze vor dem Dom. Doch dieser stand erst später auf dem Programm.

Zuerst besuchten wir Santa Croce, und zwar sowohl das Dante-Denkmal als auch die Franziskanerkirche mit ihren berühmten Grabmälern, die da wären: Dante Alighieris Kenotaph (er liegt tatsächlich in Ravenna), die Grabmäler Michelangelos und Galileo Galileis oder das Machiavelli-Monument, um nur einige zu nennen. Eine besondere Sehenswürdigkeit bildet aber das Grabmal des italienischen Dramatikers Giovan Battista Niccolini, welches eine Statue ziert, die als das Vorbild der Freiheitsstatue gilt; die Statua della Liberta della Poesi. Die dargestellte Göttin steht für die Freiheit der Kunst…und da es nach Friedrich Nietzsche für die Kunst einer Voraussetzung bedarf: dem Rauscheund Florenz eine Vielzahl an Bacchus-Statuen aufzuweisen vermag, wurde dieser Tag meinerseits auch mit einem großzügig bemessenem Bacchanal abgerundet.

Der dritte Tag unseres Florenzaufenthaltes sollte unseren ästhetischen Genuß an klassischen Skulpturen vollends befriedigen, da mit dem Besuch des Museo Nazionale im Bargello-Palast, einem der berühmtesten Skulpturenmuseen, beginnend. Hier fesselte meine Blicke in erster Linie Bartolomeo Ammanatis Brunnenmonument der Juno mit Göttin Ceres, Nymphen, Pfauen und Allegorien. Ein in meinen Augen pagan-ästhetischer Hochgenuß. Meiner Frau und meinem Sohn sagten die Tierskulpturen Giambolognas zu, wobei meine Frau den Kauz und mein Sohn den Adler favorisierte. Unter den Vögeln schuf jedoch wiederum Ammanati den berühmtesten, wenn man an den als Schwan verwandelten Zeus denkt, als welcher dieser Leda entführte. Seine Skulptur dieser Szene findet sich ebenso im Bargello-Palast ausgestellt. Im Anschluß daran überquerten wir den Arno, über den uns selbstredend die älteste Brücke der Stadt, die Ponte Vecchio, mit ihren zahlreichen Juweliergeschäften führte. Es ist ratsam, einzuplanen, die Kreditkarte im Hotel zu belassen und seiner Frau zu versichern, daß ihre Schönheit nicht auf derartige Zierden angewiesen ist.

Eine noch weitaus größere Augenweide – gemeint natürlich in Bezug auf die Brücke, nicht meiner Frau - stellte jedoch unser nächstes Ausflugsziel dar. Die Boboli-Gärten mit ihrem Blick auf die Rückseite des Palazzo Pitti entführen, allein schon durch das Amphitheater mit dem Obelisken und den Werken aus der Römerzeit bis ins 17. Jahrhundert, die den Garten zu einem wahren Freilichtmuseum für Skulpturen machen, den Besucher in eine andere Zeit und eine andere Welt. Unter den Statuen geben sich in bester Gesellschaft sowohl Kaiser Trajan als auch die der Göttin Ceres ähnelnde Allegorie der Füllenach dem Portrait Johannas von Österreich des Giambologna die Ehre. Von Letzterem stammt auch der Oceanus-Brunnen, der nicht weniger wie der Neptunfischteich einen besonderen Blickfang darstellt.

Einen bezaubernden Charme des Gartens bildet die Grotte des Bernardo Buontalenti. Bezüglich dieses Künstlertalents ist der Name sprichwörtlich Programm.

Die Verwandlung der Stalaktitengrotte in ein bukolisches Hirtenidyll führte uns deutlich die Sehnsucht der Renaissance nach arkadischer Paradiesvorstellung vor Augen. Nach Botticellis Geburt der Venusin den Uffizien begegneten wir hier Giambolognas Venus nach dem Bade. Alle diese Sehenswürdigkeiten sind in elysischer Stimmung lustwandelnd über verträumte Schattenalleen zu erreichen, und dergestalt gelangten wir auch zum Porzellanmuseum, von wo aus sich uns ein romantischer Blick über die Toskana bot. Im Porzellanmuseum selbst durften natürlich Ausstellungsstücke aus Meißen nicht fehlen. Zurück im Palazzo Pitti ließ sich meine Frau in der Kostümgalerie von der Mode vergangener Jahrhunderte verzaubern. Ein Wermutstropfen in unsere schönheitstrunkene Gestimmtheit war lediglich, daß die Galerie Palatina leider an diesem Tage geschlossen war.

Dafür entschädigten wir uns, indem wir über den Weg des Wohnhauses von Dante Alighieri uns auf zum Dom machten und diesen, nach einer beeindruckten Bewunderung der Paradiestür des Baptisteriums, besichtigten. Dort, wo früher die Kathedrale der Santa Reparata stand, deren Reste unter dem Dom für Besucher aufbereitet sind und auch das Grab Brunelleschis zu Tage brachten, erhebt sich heute der Dom als viertgrößte Kirche der Welt. Hier bewunderten wir nun das vielleicht bekannteste Wahrzeichen von Florenz: die Kuppel des Filippo Brunelleschi, dem architektonischen Überwinder der Schwerkraft, zu dessen großen Bewunderern kein Geringerer als Michelangelo selbst gehörte. Noch heute rätselt die Forschung, wie Brunelleschi diesen Kuppelbau bewerkstelligte. Und auch wir kamen bislang nicht hinter dieses Rätsel… Mit meinem Sohn bestieg ich dann noch den Campanile des Doms und bekam dadurch die Möglichkeit, eindrucksvolle „Luftaufnahmen“ über den Dächern von Florenz zu schießen. Ein Erinnerungsfoto mit meinem Sohn und mir vor der Statue des großen Dombaumeisters am Platz durfte keinesfalls ausbleiben. Die Kilometerleistung an diesem Tage war nicht unerheblich, weshalb wir gegen Abend von einer bleischweren Müdigkeit ergriffen wurden, die uns etwas früher als die Vortage der Obhut des Gottes Somnus anheim stellte. Meine Gute-Nacht-Lektüre bildete passend der Roman meines Lieblingsautors Joachim Fernau „Ein Frühling in Florenz“.

Die ersten Stationen des vierten Tages standen unter der Reminiszenz ab urbe conditaund führten uns an zwei zentrale Plätze der 59 v. Chr. unter Caesar gegründeten Kolonie: den Piazza della Repubblica, wo einstmals das forum urbis mit Kurie und dem der kapitolinischen Triade – Jupiter, Juno und Minerva – geweihtem Tempel standen sowie den Piazza San Firenze, an dem sich ein Isis-Tempel befand. Nicht so anspruchsvoll, aber deshalb nicht weniger angenehm war unser Besuch beim Mercato Nuovo, insbesondere deshalb, weil wir durch die Tradition, dem bronzenen Porcellino über den Rüssel zu streicheln und eine Münze zu spenden, den Grundstein für unsere Rückkehr nach Florenz legten. Ein Highlight, das nach Ebenbürtigkeit mit den Kulturgütern strebt, ist jedoch der Mercato Centrale mit seinen zahlreichen Verkaufsständen und der sinnenbetörenden Verkaufshalle mit seinem Reichtum an Gaumenfreuden aller Art. Um hier nicht gänzlich der Versuchung zur spätrömischen Dekadenz und der Immodestia zu verfallen, bedurfte es schon der 393 n. Chr. geweihten ältesten Kirche San Lorenzo und der Bibliotheca Medicea Laurenziana in dessen Kloster. Letztere führt unter anderem Schriften von Euklid und Avincenna im Original.

Im Innenraum San Lorenzos wurde erstmals Brunelleschis Linearperspektive in streng symmetrisch regelmäßigen, geometrisch klaren Formen verwirklicht, womit das Vorbild für einen florentinischen Architekturstil seiner Zeit geboren wurde. Die Seelentugenden Ordnung, Harmonie und Klarheit sollten sich bautechnisch widerspiegeln. Ehe wir die überwältigenden Eindrücke unserer Reise in harmonische Ordnung, und Klarheit ins Bewußtsein brachten, welche tiefen Eindrücke die Kulturgüter bei uns hinterließen, sollten allerdings noch ein paar Tage eingehender Reflexion vonnöten sein.

Der krönende Schlusspunkt unserer Florenzreise war einer der geselligen und kulinarischen Natur von höchster Güte. Am letzten Abend stand der Besuch im Clubhaus des örtlichen Ablegers meines Motorradclubs auf dem Programm, den wir auf keinen Fall missen möchten. Wir wurden vom Hotel abgeholt, ins Clubhaus chauffiert und mit kühlem Bier und selbst zubereiteten köstlichen Häppchen begrüßt. Neben einer Vielzahl an Geschenken, von erlesenen toskanischen Weinen bis zu Erinnerungs-Shirts des örtlichen Chapters, wurde uns ein gemeinsames Abendessen bereitet, das seinesgleichen sucht. Unter den diversen Fleisch- und Salatgerichten sind das traditionelle Bistecca Florentina und ein vorzüglicher Wein im sprichwörtlichsten Sinne als unbeschreiblich (an den Hüften) haften geblieben. Dieser Abend klang in bester Stimmung mit einem großzügig bemessenen Umtrunk aus, bis wir rundumversorgt, an Leib und Seele gestärkt und nach eindringlichen Versprechen eines Gegenbesuches tiefzufrieden wieder zurück ins Hotel gebracht wurden.

Tags darauf traten wir um unbezahlbare Eindrücke bereichert die Rückreise unserer wunderschönen, doch viel zu kurz bemessenen Florenzreise an. So vieles harrt noch unseres Besuches und gebietet geradezu, eine Fortsetzung ins Auge zu fassen. Ob der Palazzo Vecchio, die Galeria dell`Accademia, die Galeria Palatina, der Piazzale Michelangelo und vieles mehr, welches wir in dieser Reise noch nicht besuchten, sind Gründe genug, diese toskanische Perle am Arno nicht zum letzten Male beehrt zu haben.

Florenz – zuweilen zwar hektisch pulsierend und nicht gerade billig – ist wohl wie nur wenige Städte geeignet, Ästhetik- wie Lebensgefühl von Antike und Renaissance auf seinen Besucher zu übertragen. Diese Stadt ist im Wortsinne attraktiv, indem sie anziehend wirkt. Dies verspürte wohl auch der von mir hochgeschätzte Schriftsteller Joachim Fernau, der sich trotz seiner starken Heimatverbundenheit dennoch Florenz als Wahlheimat auserkor. Auch wir verspürten bei der Abreise eine etwas wehmütige Beklemmung, beschlich uns doch das Gefühl, in der Kürze der Zeit bereits erstaunlich vertraut mit dieser Stadt geworden zu sein. Zudem reifte der Drang, nicht nur Florenz, sondern die Toskana an sich intensiver erkunden zu wollen, insbesondere Siena oder die Etruskerstadt Fiesole - will heißen: der toskanische Traum ist hoffentlich noch lange nicht zu Ende.

Sascha A. Roßmüller
Rain, den 26.05.2013

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