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15.11.2012

Lesezeit: etwa 1 Minute

Leserbrief zur Lesung mit Martin Walser in der Bücherei Pustet am 14.11.

Sascha A. Roßmüller

xxxxxxxxxxxxxxxstraße xx
xxxxx xxxxxxxxxxxxxxx

An das
Straubinger Tagblatt

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx, den 15.11.12

 

Betr.: Leserbrief zur Lesung mit Martin Walser in der Bücherei Pustet am 14.11.

 

Walser erwartet stark, Moderation schwach

Während Martin Walser sogar dem Kenner seines jüngsten Romans aufgrund seiner informations- und interpretationsdeutlichen Vortragsweise noch Verständnishorizonte eröffnete, stiftete der Moderator – der Name mag ob der Kritik ungenannt bleiben – mehr Verwirrung als er analytischen Erkenntnisgewinn beförderte. Mir schien der Moderator zum einen mangelhaft vorbereitet, sowie er versäumte, die perspektivische Deutungsbandbreite in Fragen zu fassen, um dem Publikum durch des Autors Munde den tieferen Bedeutungsgehalt und dessen Aussagezielrichtung darzulegen. Zu sehr strebte der Moderator- rhetorisch schwach - danach, das Werk gemäß seinem akademischen Hintergrundwissen auszulegen bzw. zu mißdeuten, wie nicht zuletzt Walser selbst erkennen ließ.

Auf wesentliche in der jüngsten belletristischen Literatur und/oder den Feuilletons zum Werk angesprochene Aspekte und Textstellen ging der Moderator gar nicht ein. Als nur ein Beispiel hierfür sei der vielleicht zumeist zitierte Satz „Die meisten leiden ohne Gewinn“genannt, an dessen Widerlegung oder Bestätigung sich eine an den Roman angelehnte Debatte hätte abarbeiten können.

Subjektiv hätte mich beispielsweise interessiert, in welchem Maße sich aufgrund der auffällig dominierenden Thematisierung von Lüge, Wahrheit und Verrat einerseits sowie der mehrfachen Hervorhebung der „Aletheia“(Anm.: altgr. Wahrheit als Unverborgenheit) andererseits, die Philosophie Martin Heideggers im Roman wiederfindet, der sich dieses Begriffes in dessen Fundamentalontologie bediente. Nicht zuletzt würde sich ein Satz aus dem ebenfalls als Briefroman abgefassten Werk Hölderlins, auf den sich Heidegger maßgeblich bezog, nicht unpassend ins oben zitierte Thema fügen. Hölderlin läßt seinen Hyperion im gleichnamigen Werk an Diotima schreiben: „Und das ist herrlich, dass wir erst im Leiden recht der Seele Freiheit fühlen.“

Kurzum: Einem Intellektuellen wie Martin Walser mit dessen Erfahrungshintergrund, wie auch dessen kritischem Potential und nicht zuletzt auch einem erwartungsvollen Publikum wurde die Moderation nicht gerecht. Walser machte daraus dennoch das Beste.

Mit freundlichen Grüssen
Sascha A. Roßmüller

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